Schichten der Zeit - Die Schönheit des Wandels in der Kunst
- wildverena
- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Im Laufe der Jahre sammeln sich die Dinge an. Vielleicht kennst du dieses Phänomen aus deinem eigenen Leben: Staub auf den Möbeln, Dateien auf dem Computer, Notizen auf dem Schreibtisch … Sammlungen von diesem oder jenem.
Bei mir waren es Leinwände, die sich immer mehr in meinem Zimmer angesammelt haben.
Vor Kurzem öffnete ich eine Aufbewahrungsbox unter meinem Bett. Darin fand ich viele Gemälde, die älter als zehn Jahre waren. Verstaubt und beinahe vergessen. Eine Reise in die Vergangenheit ...

Meine Technik hat sich im Laufe der Jahre so stark verändert, dass ich meinen eigenen Stil in manchen dieser Werke kaum wiedererkennen konnte.
Einige dieser Bilder stammen aus meinen allerersten Experimenten mit Acrylfarben.
Auch wenn ich diese frühen Arbeiten meistens nicht offen zeige, schätze ich diese alten Werke, denn ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.
Manchmal tut es gut, zurückzublicken und innezuhalten. Zu erkennen, welchen Weg wir bereits gegangen sind.

Doch manchmal ruft die Zeit nach Erneuerung und Loslassen von Altem. Um Raum für Neues zu schaffen, damit etwas Neues sich entfalten kann.
Ohne den Tod gäbe es keine Möglichkeit für neues Leben.
Dieser Gedanke begleitet mich auch in meiner Kunst. Deshalb übermale ich von Zeit zu Zeit gerne alte Bilder.
Zu sehen, wie ein neues Gemälde auf einer alten Leinwand entsteht, kann unglaublich erfüllend sein. Besonders, wenn wir den Prozess dabei dokumentieren.
Ich habe gelernt, nicht mehr zu sehr an alten Bildern festzuhalten. Es ist die Erkenntnis, dass das Leben ein Kreislauf ständiger Veränderung und Wandlung ist. Das Einzige, was wirklich beständig bleibt, ist die Veränderung selbst.
Ein Gemälde kann viele verborgene Schichten in sich tragen. Und manchmal tritt ein Bild viele Jahre nach seiner vermeintlichen „Fertigstellung“ in eine neue Phase seines Lebens ein.
Dieser Hirsch ist eines dieser alten Gemälde, das ein Stück Geschichte in sich trägt. Unter seiner Oberfläche verbirgt sich eine Schicht mit einem der ersten Tiere, die ich jemals mit Acrylfarben gemalt habe.
Der Hirsch erzählt von den wechselnden Jahreszeiten.
Schicht für Schicht - ein paar Etappen des Malprozesses
Hirsche selbst sind kraftvolle Botschafter für Erneuerung und Regeneration. Ihr Geweih wächst immer wieder nach, nachdem sie es abgeworfen haben – genauso wie die Blätter eines Baumes.
Das alte Gemälde war ganz dem Herbst gewidmet: jener Zeit, in der die Natur sich noch einmal in ihrer ganzen Lebendigkeit zeigt, voller leuchtender Farben, bevor sie sich anschließend in die stille Ruhe des Winters zurückzieht.
Auf der neuen Bildebene wollte ich alle verschiedenen Jahreszeiten und die zyklische Natur des Wandels einfangen.
Der neue Hirsch trägt die Übergänge von Herbst und Frühling in seinem Geweih und thront über Sommer und Winter.

Das Bild erinnert daran, dass jede Jahreszeit ihre eigene Magie in sich trägt. Alles ist in ständigem Wandel, und eine Phase geht fließend in die nächste über. Manchmal bemerken wir den Wechsel erst ganz subtil, bis er nicht mehr zu übersehen ist.
Es lädt uns dazu ein, die Zyklen der Natur um uns herum genau zu beobachten. Auch in uns selbst können wir den Wandel der Jahreszeiten fühlen.
Wir bewegen uns durch Phasen aktiver Schöpfung und Zeiten der Ruhe – beide sind gleichermaßen wichtig, um ein harmonisches Gleichgewicht zu erschaffen.

Foto des fertigen, überarbeiteten Bildes "Übergänge" (Transitions) (40x60cm, September 2020).
Das Original steht zum Verkauf, bei Interesse kannst Du mich gerne via Email kontaktieren: wild-verena@web.de.
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